A Travellerspoint blog

Orkney

viel noerdlicher gehts nicht :-)

overcast -17 °C
View Sommer 2007 on Guebi's travel map.

23.August
Als ich zum Fruehstueck in die Gemeinschaftskueche ging musste ich feststellen, dass mir eine(r) meiner netten Mitbewohner(innen) mein Nutella geklaut hat. Das ist echt ein ziemliches Problem. Die Leute klauen einfach das Essen der anderen und wenn man etwas speziell gutes hat, sollte man es nicht unbeaufsichtigt in der Kueche lassen... Ich sollte es ja langsam wissen... Na ja, so hats halt 'blutts' Toast zum Fruehstueck gegeben.
Nachmittags um 14:30 ist dann mein Bus nach John O'Groats - dem Noerdlichsten Punkt vom schottischen Festland - losgefahren. Das war aber noch nicht gut genug fuer mich, und ich habe noch die Faehre nach Romsay auf den Orkney Islands genommen. Das Meer war ziemlich ruhig und so war die gut 40-Minuetige ueberfahrt in der relativ kleinen Passagier-Faehre ganz ok. Am Hafen von Romsay hat auch schon ein Bus auf uns gewartet, der uns in die Hauptstadt Kirkwall gebracht hat. Auf der Faehre habe ich Sam aus San Francisco und einen aelteren Herrn aus Neuseeland kennen gelernt. Abends bin ich dann mit ihnen zum Znacht eingekehrt und sie haben mir erzaehlt, dass sie die einzigen zwei seien, die am naechsten Tag auf eine Tour durch Orkney teilnehmen wuerden. Ich habe beschlossen, mich der Tour anzuschliessen falls irgendwie noch moeglich, da ich noch nicht wirklich einen Plan hatte, was ich hier sehen wollte. Mit Sam bin ich dann noch in die naechste Bar zu einem schottischen Whisky und einem irischen Bayleys :-). Gentleman-like hat er mich sogar zur Jugi zurueckbegleitet und am naechsten Morgen dem Reisefuehrer angerufen um zu fragen, ob ich auch noch an der tour teilnehmen koenne.

24.August
Morgens frueh hat mich Sam angerufen um mir zu sagen, dass alles gut sei und ich mit ihnen mitfahren koenne. Um 9:30 haben sie mich direkt bei der Jugi abgeholt und schon ging es los. Es war echt cool nur zu Dritt mit einem eigenen Fuehrer, der hier in Orkney geboren und aufgewachsen ist. Er hatte jede Menge zu erzaehlen und hatte auf alle unsere Fragen eine kompetente Antwort. Unser erster Stopp war bei einem steinzeitlichen Grab "Maeshowe", das - vor allem dank den Runen von Wikingern, die im Grab Schuzt vor einem Unwetter gesucht haben - absolut faszinierend war. Uns wurde gesagt, dass dies die best erhaltene und wichtigste Runensammlung ausserhalb Norwegens sei und das war nicht schwer zu glauben.
Weiter gings zum Ring of Brodgar, einem Steinkreis der viel groesser und eigentlich noch imposanter war als Stonehenge. Zudem konnte man wirklich zu den Steinen hin gehen, was bei Stonehenge unmoeglich war. Weiter zu den gut erhaltenen Ueberresten eines neolithischen Dorfes in Skara Brae. Ebenfalls faszinierend, wie die Menschen vor 5000 Jahren Haeuser aus Stein gebaut haben mit Moebeln aus Stein (Betten und Regale, die bis heute gehalten haben - da ist wohl die Qualitaet von IKEA-Moebeln nichts dagegen). Die italian Chapel wurde waehrend dem 2.Weltkrieg von italienischen Kriegsgefangenen erbaut, die hier stationiert waren. Die Kapelle ist eigentlich einfach eine Unterkunft der Gefangenen, die sie selber umgebaut und bemalt haben mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfuegung standen (das Reicht von Dosen ueber Stoessdaempfer und sonst das Meiste aus Zement). Das ganze wurde aber so dekoriert, dass es auf den ersten Blick wirklich aussieht wie eine Kapelle aus Marmor und mit echten Kirchenfenstern und weiss der Gugger was. Das muesst ihr euch auf den Fotos anschauen. Ist schwer zu erklaeren.
Die Kriegsgefangenen haben diese Kapelle aber natuerlich nur in ihrer Freizeit gebaut. Eigentlich waren sie hier, um Blockaden zu bauen, welche Churchhill angeordnet hat (Churchhill-Blockaden). Alle Kanaele sollten barrikadiert werden, damit die Deutschen nicht hindurchsegeln konnten. Zu diesem Zweck wurden auch im ganzen Kanal absichtlich Schiffe versenkt, deren Wracks bis heute gut sichtbar aus dem Wasser ragen. Item. Die Blockaden: Laut Genfer Menschenrechtskonvention duerfen Kriegsgefangene scheinbar nicht Arbeiten verrichten, welche militaerischen Zweck hat. Die Leute hier haben deshalb offiziell gesagt, das seien keine Barrikaden, sondern Verbindungs-Daemme zwischen den verschiedenen kleinen Inseln. Das Problem haben sie also ganz geschickt umgangen. Tatsaechlich ist es aber so, dass die Daemme bis heute wirklich die einzige Verbindung zwischen den betroffenen Inseln darstellen (waehrend vorher Faehren fuhren). Ein sehr eindruecklicher und lehrreicher Tag!!!!

Morgen gehts zurueck nach Inverness, dann Edinburgh, wo ich am Montag auf eine 5-taegige Tour durch die Highlands und die Isle of Skye aufbreche.

Posted by Guebi 12:22 Archived in Scotland

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Comments

Nun bist du eine richtige Spezialistin im Alleine-Reisen geworden: Gratuliere!
Auf diese Inseltour wäre ich auch gerne mitgekommen. Sehr erstaunlich, dass dieses Inselchen schon so lange besiedelt ist! Wann etwa sind wohl die Steinkreise entstanden? Auch vor 5000 Jahren? Herrscht dort wegen des Golfstroms ein speziell mildes Klima, das die Menschen angezogen haben könnte? Wovon leben sie heute? Schafzucht? Tourismus?
Leider hat meine Reise vor Jahren in John o Groats geendet, aber, was nicht ist, kann ja noch werden! Wann fährst du das nächste mal? :-)
Viel Vergnügen in den Highlands!

by Mutti

Wenn ich mich nicht taeusche, dann ist der Steinkreis etwa zur selben Zeit entstanden wie das Grab. Genaugenommen hatte es ja zwei Steinkreise, welche - zusammen mit dem Grab - ein perfektes Dreieck formen, welches zum Sonnenuntergang hin ausgerichtet ist. Die drei Orte sind bis heute mystisch und energiegeladen. Bei einem Steinkreis haben wir so etwas wie Wuenschelruten ausprobiert, welche ausgeschlagen haben, sobald man die "Kraftlinien" uberquert hat. Beim Reisefuehrer John und beim Australier Graham hats funktioniert, waehrend es bei mir und Sam nicht geklappt hat. Offiziell klappts aber bei ueber 80%. Na ja, ich glaube trotzdem, dass diese Orte etwas spezielles an sich haben.

Die Menschen sind sehrwahrscheinlich wegen dem milden Klima (Im Sommer kaum unter -2 Grad und im Winter kaum ueber ca. 26 Grad Celsius) und dem fruchtbaren Boden hier her gekommen. Ausserdem war Orkney schon immer ein guter Ausgangspunkt fuer Erkundungs(boots-)fahrten nach Schottland und England und fuer Haendler aus Richtung Norwegen.

Heute leben die Menschen von der Rinder- und Schafzucht (Fleischproduktion) und vom Tourismus.

by Guebi

"Winter" und "Sommer" vertauscht! :-)

by Guebi

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